Die Diagnose „Gehörsturz“ bescherte mir einen mehrtägigen Krankenhausaufenthalt. Das am Tag der Aufnahme obligatorische Gespräch mit der Klinikpsychologin empfand ich als sehr angenehm und anregend, dauerte überraschend lange und fand am nächsten Tag eine noch wesentlich längere Fortsetzung. Im Zuge unserer Unterhaltungen keimte in der Psychologin immer mehr der Verdacht, dass der Gehörsturz psychisch ausgelöst sein dürfte. Sie legte mir die Konsultation eines erfahrenen Psychologen dringend ans Herz. Zu diesem Zweck überreichte sie mir eine Liste von geeigneten Experten, an deren erster Stelle sich der Name Mag. Herbert Redtenbacher fand.

Mein psychischer Zustand war zu dieser Zeit wirklich erbärmlich. Die Begleitung meiner geliebten Frau durch eine Operation, eine Chemo- und eine anschließende Strahlentherapie nach der Diagnose „Brustkrebs“ (wird aber zwischenzeitlich als geheilt angesehen) auf der einen Seite und die berufliche Perversion, an der Verlagerung von in meinem direkten Umfeld bestehenden Arbeitsplätzen ins Ausland aktiv mitarbeiten zu müssen, auf der anderen Seite haben mich über die Grenze meiner psychischen Belastbarkeit geführt. Dadurch haben sich auch deutlich spürbare Auswirkungen auf die Physis ergeben. Neben dem schon erwähnten Gehörsturz hatte auch mein Blutdruck bereits eine dringend behandlungsnotwendige Höhe erreicht. Insgesamt war ich drei Monate außer Gefecht gesetzt, bevor ich wieder langsam in den Arbeitsprozess einsteigen konnte.

Dieser Zeitraum wäre sicher noch größer geworden, hätte ich nicht, dem Rat der Klinikpsychologin folgend, Herrn Mag. Redtenbacher (in der Folge kurz als „Psychologe“ bezeichnet) kontaktiert. Im ersten Schritt erstellte der Psychologe einen klinisch-psychologischen Befund, dessen Ergebnis unter anderem „depressive Episode“ lautete.

Als Behandlung empfahl mir der Psychologe u. a. eine Biofeedback-Therapie. Unschlüssig, denn viel konnte ich mir darunter nicht vorstellen, stimmte ich dem zu. Auch entsprechende Recherchen im Internet konnten meine Zweifel nicht beseitigen, da ich zu diesem Zeitpunkt die Zusammenhänge noch nicht verstanden habe.

Mit einiger Skepsis ausgestattet trat ich also meine erste Therapiestunde an. Ich wurde verkabelt – professioneller formuliert – es wurden die Sensoren angebracht und dann sah ich eine Vielzahl von interessant aussehenden Kurven auf einem Monitor. Und trotzdem blieb die Frage, wie soll das meinen psychischen Problemen helfen? Etwas Geduld, aber ich zähle sicher nicht zu den Erfindern dieser Tugend, wäre angebracht gewesen, denn es folgten die sehnlichst erwarteten Erläuterungen.

ENTSPANNUNG heißt das Zauberwort, auf dem die Biofeedback-Therapie aufgebaut ist. Physische Entspannung führt auch zu einer psychischen Verbesserung – populärwissenschaftlich ausgedrückt bedeutet dies, dass ein entspannter Körper auch zu einer Minderung der psychischen Belastung beiträgt. Klingt eigentlich ganz vernünftig, denn wenn ich entspannt bin, rege ich mich auch nicht so leicht auf.

Doch wie merke ich, dass ich entspannt bin? Das technische Equipment in der Praxis des Psychologen macht Entspannung erlebbar. Ich konnte mit großer Verwunderung sehen, dass die Entspannung der Muskulatur – gemessen an der Stirn oder im Nackenbereich – verbunden mit einer gleichmäßigen, langsam(er)en Atmung unmittelbar zu einer Senkung der Herzfrequenz, zu einem Anstieg der Oberflächentemperatur der Haut und zu einer Verbesserung der Durchblutung führt. Darüber hinaus gibt es sicher noch eine Menge anderer unerwarteter „Wirkungen und Nebenwirkungen“. UND: Langsam merkte ich, dass auch der Kopf wieder freier wird.

Noch weiß ich immer noch nicht, wie mir das nachhaltig helfen soll. Ich kann doch nicht mein restliches Leben eine Biofeedback-Therapie machen. Hier kommt wieder das Wort Geduld ins Spiel. Der Psychologe meinte, ich werde die Entspannung nach einiger Zeit auch ohne Messgeräte spüren, wenn ich zu Hause das Entspannen übe und dann bei der nächsten Therapiestunde mit den Messgeräten überprüfe. Ich mache es kurz: Das funktioniert!

So blieb auch Zeit, einmal das Gegenteil auszuprobieren. Ich versetzte mich in einen künstlichen Erregungszustand und die Analyse der aufgezeichneten Körperfunktionen hat mich erschreckt. Nicht nur, dass die Atem- und Herzfrequenzen steigen, sie werden auch noch unregelmäßig. Vor allem nimmt die Durchblutung dramatisch ab, womit ich die Bestätigung für die Ursache des Gehörsturzes gefunden habe.

Die weiteren Therapiestunden verliefen dann weniger spektakulär, aber trotzdem um nichts weniger effektiv. Es entwickelte sich eine Mischung aus Gesprächstherapie und Biofeedback-Überprüfung.

Meine in die Therapie gesetzten Ziele wurden nicht nur erreicht, sondern übertroffen. Ich habe gelernt, mich in faktisch allen Lebenslagen zu entspannen bzw. in einen entspannungsähnlichen Zustand zu versetzen und so neben einem physischen vor allem wieder ein psychisches Gleichgewicht zu finden. Darüber hinaus konnte ich gemeinsam mit meinem Therapeuten Strategien entwickeln, die es mir ermöglichen, mit bisher sehr belastenden Situationen entspannter umzugehen. An dieser Stelle muss ich Herrn Mag. Redtenbacher ganz herzliches Dankeschön aussprechen.

Ein sehr erfreulicher Nebeneffekt dieser Therapie ist, dass man das Erlernte mit nach Hause nehmen und sein ganzes Leben lang kostenlos anwenden kann. Das tröstet darüber hinweg, dass die Sozialversicherungen ganz offensichtlich die Bedürfnisse von psychisch belasteten Menschen nicht als Krankheit ansehen und deshalb die Leistungen verweigern. Ich kann den finanziellen Aspekt trotzdem nur positiv bewerten, denn ich habe nur sehr selten mein Geld noch sinnvoller investiert